Wesentlichkeit

“Gestaltet die Transformation!”

Der Aufruf der globalen Nachhaltigkeits-Crowd an Unternehmen anlässlich der kurzlich veröffentlichten Studie “Sustainability drivers for business transformation”.

Marie-Lucie Linde im Interview mit Dr. Matthias Kannegiesser

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Warum müssen wir Nachhaltigkeitstrends und -standards besser verstehen, um die nachhaltige Transformation voranzutreiben?

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Trends und Standards machen die nachhaltige Transformation konkret und umsetzbar.

Ein Beispiel: Die Mobilitätswende wird durch die dahinter liegenden Trends wie E-Mobilität greifbar. Dieser Trend (hier E-Mobilität) wird dann durch Standards in Wirtschaft und Gesellschaft umsetzbar. So sind Anreiz-Standards wie z.B. die finanzielle Förderung von Elektroautos, technische Standards für Ladestecker oder Ladeinfrastruktur sowie Regulierungsstandards wie Vorzugsregeln für Elektroautos in Städten konkrete Maßnahmen. Trends und Standards sind somit unsere Werkzeuge, mit denen wir jegliche Transformation - sei es Energiewende, Agrarwende oder Armutswende - für die Menschen greifbarer machen und mit denen wir sie proaktiv gestalten.

Warum ist das Studiendesign der kürzlich veröffentlichten Studie “Sustainability drivers for business transformation” von BASF für Unternehmen - ob klein oder groß - nicht nur wegen ihrer Erkenntnisse interessant?

Das Studiendesign hat zwei zentrale neue Elemente: Zum einen wird bewusst eine große Zahl an diversen und vielfältigen ExpertInnen eingebunden, zum Beispiel Politik, Wissenschaft, Start-ups, NGOs, Beratungen, Industrie- und WirtschaftsexpertInnen. Wir sprechen hier gern von der “Experten-Crowd”, die noch einmal breiter und vielfältiger wird, indem nicht nur ExpertInnen national oder europäisch, sondern weltweit befragt werden. Zum anderen fragt die Studie ausschließlich nach den Nachhaltigkeitstrends und -standards in den Kundenindustrien des Unternehmens. Das bedeutet, dass interne Themen bewusst in der Studie nicht betrachtet werden. Es geht konsequent um die Kunden der Unternehmen und welche Transformationen diese in den nächsten Dekaden durchlaufen werden, und zwar konkretisiert über Trends und Standards.

Copyright BASF

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Damit liefert dieses Studiendesign mehrere neue Perspektiven: Über die Vielfalt der Experten-Crowd kommen bewusst Überraschungen und innovative Trendthemen zu Tage, die Unternehmen mit ihren engeren Stakeholdern in der Regel nicht erkennen würden. Diese neuen Themen wiederum bieten den Unternehmen neue Erkenntnisse in Hinblick auf die Wesentlichkeit von Wirkungsfeldern und somit Chancen für ihr Geschäft. Die Perspektive auf Trends in den Kundenindustrien stärkt zudem die Rolle von Nachhaltigkeit als strategischen Geschäftstreiber. Denn aus Kundentrends können Unternehmen Chancen und Risiken für das eigene Geschäft ableiten und gezielt Maßnahmen und Innovationen initiieren, die diese Trends aufgreifen.

Somit werden folgende Fragen beantwortet:

  • Wo können wir in der Zukunft bei unseren Kunden für mehr Nachhaltigkeit wirken und einen Beitrag zum Beispiel  in Hinblick auf die Erreichung der SDGs und der Klimaziele leisten?

  • Wie sieht unser Geschäft in 10 Jahren aus? Was ist unsere Daseinsberechtigung? Womit können wir Geld verdienen und unser Unternehmen wirtschaftlich nachhaltig aufstellen?

Diese Fragen gehen an den Kern der Geschäftstätigkeit - der licence-to-operate - der Unternehmen. Damit ist die Frage von wesentlichen Nachhaltigkeitsthemen nicht länger ein Compliance-Thema, das Unternehmen in Berichten vorweisen müssen, sondern Nachhaltigkeit wird zum Innovations- und Geschäftstreiber. Es wird zu einem zentralen Faktor für die Zukunftsfähigkeit der Unternehmen. Mit dieser Aufwertung gibt es die tatsächliche Chance, dass Unternehmen die Transformation als Teil ihrer eigenen Geschäftsstrategien vorantreiben.

Wie kam es dazu, dass sich die drei Partner - A.T. Kearney, Impact Hub Netzwerk und sustainable natives eG - für diese Studie zusammengetan haben?

Nachhaltigkeit erfordert die Bündelung aller Kräfte. Wir brauchen Zusammenarbeit und Kooperation über Grenzen hinweg. Für die Studie brauchten wir die sich ergänzenden Profile der drei Partner: A.T. Kearney hat als globale Management-Beratung die analytische Exzellenz sowie die tiefe und weltweite Industrie- und Top-Management-Erfahrung einer Unternehmensberatung eingebracht, die man braucht, um eine derartige Studie fundiert und Industrieorientiert aufsetzen zu können. Das Impact Hub Netzwerk hat mit über 100 Standorten und mehr als 10.000 Mitgliedern weltweit eine einmalige Community an Social-Entrepreneurs, Start-ups und NachhaltigkeitsexpertInnen, die eine unglaubliche Vielfalt an Expertisen einbringen konnte. Und wir von sustainable natives, als Genossenschaft und Gemeinschaft von ExpertInnen, die durch interdisziplinäre und co-creative Teams Unternehmen und Organisationen bei der Gestaltung der nachhaltigen Transformation unterstützt, hat das Design der Studie als dialog-orientiertes Crowdsourcing neu gedacht und besonderen Wert auf die kreative Aufbereitung und Kommunikation der Ergebnisse gelegt. Die Bilanz: Die Zusammenarbeit über Grenzen hinweg funktioniert, denn alle Partner konnten sich gegenseitig wertschätzend in ihren Rollen unterstützen. Es ist der Beweis dafür, dass in neuen Allianzen der Schlüssel für das Gelingen der nachhaltigen Transformation liegt.


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Warum haben die Ergebnisse der Studie durch das besondere Design eine andere Qualität?

Die Studie hat mehr als 10.000 Datenpunkte, über 70 Trends und 120 Standards geliefert, die von NachhaltigkeitsexpertInnen weltweit umfassend bewertet und mit Kommentierungen unterlegt wurden. Es gibt weltweit möglicherweise derzeit keinen besseren Datensatz zu Nachhaltigkeitstrends und -standards in diesen konkreten Industrien. Aus diesem wertvollen Datenschatz ergibt sich ein klares Bild mit zum Teil zu erwartenden Ergebnissen. So wurde z.B. die zentrale Rolle erneuerbarer Energien für die weltweite Energiewende durch die Experten-Crowd bestätigt. Zudem liefert dieses Bild klare Abstufungen zwischen Trends, die dabei helfen, wichtige von unwichtigen Trends zu unterscheiden.

Für uns liegt in der Studie ein regelrechter Augenöffner versteckt: Während die Frage der Wesentlichkeit bisher durch intern gerichtete Themen wie "Compliance", "nachhaltige Produkte" oder "Betriebsökologie" getrieben wurde, liefert diese Studie neue Business-Themen, die alle marktorientierten Rollen im Unternehmen direkt ansprechen, unternehmerisch tätig zu werden, Chancen zu ergreifen und Risiken zu managen.

Was ist die Kernbotschaft, die die globale Nachhaltigkeits-Crowd Unternehmen mit auf den Weg gibt?

Gestaltet die Transformation! Denkt euch in eure Kundenindustrien ein! Antizipiert nachhaltige Veränderungen eurer Kunden. Und seid dann die ersten, die den Kunden helfen, in den Trendthemen erfolgreich zu sein. Dann leistet ihr für eure Kunden, für die nachhaltige Transformation und euer eigenes Geschäft den besten Beitrag.

Mehr zur Studie finden Sie hier.


 

Dr. Matthias Kannegiesser

Matthias Kannegiesser ist langjähriger Nachhaltigkeitsexperte und war als solcher bei sustainable natives eG Projektleiter für die Studie “Sustainability drivers for business transformation”, die im im Konsortium mit A.T. Kearney und Impact Hub Berlin entstanden ist.

Marie-Lucie Linde

Marie-Lucie Linde ist freie Beraterin für Nachhaltigkeit und Kommunikationexpertin und war als in den Experteninterviews und bei der Aufbereitung der Studie “Sustainability drivers for business transformation” im Projektteam bei sustainable natives involviert.